Hannoversche Allgemeine Zeitung 30. Juli 2009

Piratenfahrt beim Maschseefest

Das Maschseefest will auch Familien begeistern – und die Piratenfahrt auf der „Üstralala“ ist der Verkaufsschlager.

© Rainer Surrey

Das Schiff für Piratenfahrten: die „Üstralala“.
© Rainer Surrey

Kapitän Günter Bothe bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Seit mehr als 30 Jahren steuert er die Fahrgastschiffe der Üstra über den Maschsee. Dass an diesem Nachmittag rund 20 kleine Piraten mit wilden Totenkopffratzen auf Kopftüchern sein Boot entern, ihn mit Gummischwertern ins Bein pieksen und unter lauten „Hej“- und „Ho“-Rufen sein Lieblingsschiff entern, schreckt ihn kein bisschen. „Hier macht man eben einiges mit“, sagt der Kapitän, und ein flüchtiges Grinsen huscht über sein sonnengebräuntes Gesicht. Bothe ist seit einigen Jahren Rentner. Das Schifffahren aber kann er nicht lassen, und so hilft der 75-Jährige aus Sarstedt heute wieder einmal aus.

In den 60 Minuten, die er an diesem Nachmittag mit den kleinen, aufgeregt tuschelnden Passagieren unterwegs ist, wird nichts so sein wie sonst. Sein Lieblingsschiff etwa, die „Hannover“, heißt an diesem Tag „Üstralala“. Die Regie an Board übernehmen die Kinderliedermacher Unmada Manfred Kindel als Käpt'n Zoff und Mathias Lück als Schiffjunge Mathjes. Keine Frage also, dass lauthals gesungen wird, ach was, echte Piraten dürfen sogar grölen, wenn Schifferklavier und Waschbrett den Takt angeben. Später machen die Kinder große Augen, weil Käpt'n Zoff südwärts eine Windhose entdeckt hat und Bothe wie auf Kommando das Schiff ein bisschen zum Schaukeln bringt. Maurice und Daniel nehmen derweil eine Schatztruhe in Augenschein. Den Deckel können sie aber nicht öffnen. Dann probiert der vierjährige Morries sein Schwert aus, sagt dann aber ganz ehrlich: „Es ist aus Gummi und gar nicht gefährlich.“ Wie viele andere Kinder an Bord ist er mit Kopftuch und Schürze mit Piratenlogo bekleidet. Andere tragen rosafarbene Sonnenbrillen oder Hawaiihemd und Sternchenkrawatte und sagen „Cool“, wenn Käpt'n Zoff einen Witz gemacht hat. Erlaubt ist alles, Hauptsache, es macht Spaß.

Die Idee zur Piratenfahrt auf der „Üstralala“ hatte Traute Petershagen, die für das Kinderprogramm des Maschseefestes mit zuständig ist, vor einem Jahr. Seitdem sind fast immer alle Termine ausgebucht. „Der Maschsee ist ein tolles Gewässer, wir wollten, dass viele Kinder es erleben können“, sagt sie. Dann bedankt sich Käpt'n Zoff bei seiner Mannschaft und verteilt die Heuer. Endlich wird die Schatztruhe geöffnet. Darin liegen kleine Kostbarkeiten: Edelsteine, Muscheln und Murmeln. Jeder darf sich etwas aussuchen, und tatsächlich, Piraten können brav in einer Schlange anstehen. Anschließend halten sie ihre Belohnung wie kleine Schätze in den Händen. „So etwas Schönes habe ich noch nicht erlebt“, sagt Wolfgang Lange, als das Schiff das Ufer erreicht, und streicht seinem Enkel Ben lächelnd das Piratentuch vom Kopf.

Als Günter Bothe wenig später mit der nächsten Gruppe gen Süden schippert, trägt der Wind eine leise Melodie zum Ufer herüber, die so manchen Passagier abends in den Schlaf begleiten wird: Hej, hej, ho / Dreimal dürft ihr raten /Wir sind Maschseepiraten …

Karten für die „Üstralala“ gibt es im Üstra Reisebüro, Nordmannpassage 6, im Vorverkauf sowie am Anleger Stadion am Nordufer. Kinder bezahlen 3, Erwachsene 6 Euro. Die Termine sind 4., 6., 11. und 13. August um 13, 14 und 15 Uhr.

[Dany Schrader]