Wetterauer Zeitung vom 4. Oktober 2003

In Welt der Kobolde und Fabelwesen eingetaucht
Workshop für Kinderlieder im Wald im Rahmen des 3. Friedberger Kindermusik-Festivals mit Unmada (Manfred Kindel)


Friedberg. Im Rahmen des 3. Friedberger Kindermusik-Festivals (die WZ berichtete) fand auch ein Workshop für Kinderlieder im Wald statt. Singen, tanzen und spielen im Wald stand dabei auf dem Programm. Über 20 Erzieherinnen, Pädagoginnen und andere Interessierte waren morgens am Flugplatz in Bad Nauheim erschienen. Der Leiter des Workshops, Unmada (Manfred Kindel), Diplompädagoge, Musiker und Theatermacher aus Hannover, erklärte zunächst, was der Name Unmada bedeutet. Das Wort stammt aus dem Sanskrit und heiße „außer sich vor Freude“, erzählte der Mann mit dem Lederhut und der fast kompletten grünen Kleidung. Das Allroundtalent beschäftigt sich seit der Geburt seines Sohnes Johannes im Jahre 1981 mit dem Kinderliedschreiben. Damals arbeitete er noch hauptberuflich in einer Drogenberatungsstelle. Doch schnell wurde die Arbeit mit Kindern zu seiner hauptsächlichen Tätigkeit. Jüngstes Projekt ist der „Kinderwald“ in Hannover – ein Kinderbeteiligungsprojekt, das Kindern aus der Großstadt ermöglichen soll, naturnahe Erfahrungen machen zu können.
Als Einstieg in den Workshop spielte der Liedermacher auf seinem Hauptinstrument, dem Akkordeon. Ohne Mühe begeisterte er die Kinder. Freudig sangen all die einmal vorgesungenen Passagen mit, und ab ging es in den Wald. Wie singen die Trolle, die Elfen, die Waldschrate und die Zwerge, fragte Unmada zwischen den zwei Strophen des nächsten Liedes. Er machte es vor. Ganz tief und geheimnisvoll singen die Waldschrate, leicht und beschwingt und sehr hoch die Elfen, drollig und lustig die Zwerge. Ganz wichtig sei es, so Unmada, die Kinder miteinzubeziehen, ihre Phantasie anzuregen und verschiedene Stimmen beziehungsweise Stimmungen in den unterschiedlichsten Tonlagen auszuprobieren. Die Gruppe war spätestens jetzt eingetaucht in die Welt der Kobolde und Fabelwesen und stapfte munter weiter natürlich immer mit einem Lied.
An einer Grillhütte, die einen idealen Vorplatz bot, kam zu Gesang der Tanz hinzu. Das „Jahreszeitenlied“ beschreibt die Veränderungen draußen in der Natur und ist ideal geeignet, mit Kindern im Wald dieses Thema zu besingen. „Rundherum wir reichen uns die Hände, weben und leben in Kreisen, unsere Liebe ist stark und das Leben ein Tanz“, sangen die Teilnehmer immer wieder im Kanon und tanzen eine Art Reigen dazu. Immer mehr wurde für jeden spürbar, dass die Nähe zur Natur ein belebendes und elementares Lebensgefühl ist; unentbehrlich für ein schönes Leben, besonders für Kinder, aber auch für Erwachsene. Kinder sollten die Möglichkeit haben, sich in der Natur auszuprobieren, zu toben, im Wald zu spielen und diesen als ihren Lebensraum zu entdecken – weg mit dem Ammenmärchen, im Wald sei es gefährlich („Im Wald, da sind die Räuber“) hin zu einem vertrauten und liebevollen Umgang mit den Bäumen, Blumen und Pflanzen. Das liege ihm besonders am Herzen, und deshalb mache er auch diese Arbeit, so der Wald- und Kinderfreund.
Sein Lieder sind stark bezogen auf die Nähe zur Natur und dem Verbundensein mit der Erde. Aber auch aus anderen Kulturen stellte er Lieder vor. Einige kommen aus Südamerika und stammen von den dortigen Indianern. Themen wie Nehmen und Geben, Festhalten und Loslassen, Trauer und Liebe und natürlich die Verbundenheit mit der Natur kommen darin vor. Auf die Baumwipfel wollte er nun mit der Gruppe und dort oben ein wenig spazieren gehen. Unmada zog aus der Tasche eine Reihe von Spiegelkacheln. Jeder sollte sich einen Spiegel direkt unter die Augen halten. Hintereinander im Gänsemarsch ging es dann los.
Dieser Blick in den Spiegel eröffnete eine andere wunderbare Welt. Stahlblauer Himmel, herbstliche Farben und schwindelerregende Höhen. Tatsächlich befand man sich in den Baumwipfeln ganz oben. Man sollte die Dinge einmal aus einer anderen Perspektive sehen, so der Rat des Pädagogen. Darüber hinaus gab es noch einen Zwergenmarkt, an dem jeder seine Waren, die er im Wald gefunden hatte, feilbieten konnte. Von der Wunderharfe, über die gute Laune, die eine Teilnehmerin mitten im Wald fand, bis hin zu Feenprinzessinnen gab es allerlei Sehenswertes. Die vier Stunden vergingen wie im Flug, und so manch einer wäre auch gern den Rest des Tages noch im Wald geblieben zum Tanzen, Singen und Spielen.