Hannoversche Allgemeine Zeitung 12. Juni 2009

… für eine bunte Welt, die zusammenhält


Singende Kinder, tanzende Kinder, geschminkte, verkleidete, trommelnde und fröhliche Kinder: Seit acht Jahren schon zieht jeweils am Freitag vor Beginn der Sommerferien die Kinderkarawane durch Hannovers Innenstadt.


Für die Kinder ist die Karawane ein riesiges Ereignis.
Für die Kinder ist die Karawane ein riesiges Ereignis.
© Rainer Dröse

Mit ihrer Ankunft auf dem Andreas-Hermes-Platz am Raschplatz-Pavillon wird der traditionelle Masala-Weltmarkt eröffnet. Auf dessen Bühne nehmen die Lieder der Kinder einen wichtigen Platz ein. Auch heute wieder.

Gut 3000 Kinder treffen sich um 14.30 Uhr am Steintor. Von dort führt ihr Zug, laut trommelnd und singend, zum Kröpcke und am Hauptbahnhof vorbei bis zum Pavillon. Tausende Eltern, Erzieher und Zaungäste ziehen mit. Das Karawanen-Motto lautet: für eine bunte Welt, die zusammenhält. In diesem Jahr haben sich die Kinder mit dem Alltag afrikanischer Familien beschäftigt.

Die Idee für die Kinderkarawane entstand Anfang 2001 parallel an zwei Orten: am Frühstückstisch der Organisatoren des Masala-Weltbeat-Festivals und in der Werkstatt des hannoverschen Liedermachers Unmada Manfred Kindel. Gemeinsam organisieren sie seit Jahren Kinderfeste, unter anderem den Kinderkarneval „Pif Paf Pavillon“. Kurz darauf schrieb Kindel das Lied, das seither die Erkennungsmelodie der Karawane ist. „Wo rennen Kinder im Schnee und im Sand? Wo reichen Menschen sich freundlich die Hand? Wo tönt die Trommel, das Schifferklavier? Wo pfeifen Flöten, und wo singen wir?“, lautet einer der Verse.

Er soll sogar schon im Kanzleramt gesummt worden sein, weil Doris Schröder-Köpf als Schirmherrin der Karawane die CD mit den Liedern mit nach Berlin genommen hatte. Die Songs, in denen es häufig um gegenseitigen Respekt geht, werden schon gesungen, bevor die Karawane lostrabt. Der bunte Zug durch Hannover ist sozusagen der gemeinsame Höhepunkt nach vielen Workshops und Bühnenmitmachprogrammen, die Wochen vorher in Kindertagesstätten, Kinderläden und Grundschulen in Kooperation mit vielen Einrichtungen und Vereinen stattfinden. „Das gemeinsame Einüben ermöglicht den Kindern, unabhängig von Sprache gemeinsam zu lernen und über Musik Verständnis und Interesse zu entwickeln“, sagt Traute Petershagen, die die Karawane organisiert. Unmada Kindel hat die künstlerische Leitung übernommen und marschiert mit Schifferklavier und seinen Kinderwaldchören mit. Etwa 45 Minuten dauert der bunte Umzug. Und er wird jedes Jahr von Musikern, Theatermachern, Clowns und Phantasiefiguren aus dem Scharniertheater begleitet. Viele Karawanenkinder sind längst zu Karawanenjugendlichen herangewachsen. „Sie möchten weiter mit dabei sein und übernehmen Ordnertätigkeiten“, freut sich Traute Petershagen über so viel Verbundenheit. Aber Musik erweitere schließlich den Horizont und wecke Verständnis für die vielfältigen Kulturen dieser Welt. „Sie hilft, Grenzen zu überwinden“, sagt Petershagen. Im Laufe der Jahre ist diese einzigartige Veranstaltung auch zu „ihrer“ Karawane geworden.

von Karin-Vera Schmidt